And the Wimmer is …

Wimmer oder Winner? Wimmer ist Winner! Bitte verzeiht, ich konnte mir dieses Wortspiel einfach nicht verkneifen 🙂 . Trooooommelwirbel! Hier kommt es eeeendlich. Das langersehnte und sehnlichst erwartete Interview. Vor den Vorhang! Auf die Bühne! Ins Rampenlicht! Bitte zur Siegerehrung!

Österreichs beliebtester Reitlehrer 2017 ist: Gereon Wimmer.

Der Gewinner: Gereon Wimmer

miia: Was war dein erster Gedanke, als du erfahren hast, dass du Österreichs beliebtester Islandpferde – Reitlehrer bist?

Gereon: Am 10. April kam von einer mir unbekannten Telefonnummer – wie sich herausstellte, war es deine, Katharina 🙂 – die Nachricht und die Glückwünsche, dass ich die Wahl zum beliebtesten Reitlehrer Österreichs gewonnen habe und ich war echt sprachlos und musste mich kurz hinsetzen. Im zweiten Moment war ich skeptisch und hab mich gefragt, „Kann das wirklich sein?“ Dankenswerter Weise hast du gleich das „Beweisfoto“ hinterhergeschickt. Was sich danach emotional bei mir abgespielt hat, behalte ich lieber für mich, sonst wird´s gleich am Anfang dieses Interviews allzu kitschig 🙂 .

Beweisfoto! Die Seiten 26ff der aktuellen Ausgabe der iiö

 

miia: Hihihihi … ich bin ja gerne die Überbringerin guter Nachrichten! Ich dachte damals, du wüsstest es sicher schon und hättest, wie ich, auch schon die neueste Ausgabe der iiö in Händen! Aber die wurde diesmal offensichtlich im Osten Österreichs ein wenig früher ausgeliefert als weiter im Westen 🙂 ! Aber zurück zu meinen Fragen! Seit wann bist du denn Reitlehrer und kannst du bitte ganz kurz die wichtigsten Stationen in deinem Reiterleben nennen?

Gereon: Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten für mich, da ich mich ehrlicherweise nie bewusst dafür entschieden habe, hauptberuflich als Reitlehrer tätig zu sein. Irgendwann hat die Tätigkeit mit den Pferden und den Reitern einfach gewonnen 🙂 . Zu reiten begonnen habe ich mit 9 Jahren, anfangs nur in den Ferien. Im Laufe der Zeit hab ich auch regelmäßig, gemeinsam mit meiner Schwester Cordula, Reitkurse besucht. Im Zuge dessen hat mir Andrea Jänisch (neben Anne Kegelmann die für mich wohl prägendste Reitlehrerin am Beginn meiner „Reitkarriere“) angeboten, nach der Matura auf ihrer Berittstation zu arbeiten, was ich dann auch 2 Jahre lang gemacht habe.

Den ersten Kontakt zum Unterrichten hatte ich dort, aber nicht im üblichen Sinn in einer Reitschule, sondern, da es eine reine Beritt- und Hengststation war, in der Arbeit mit den Berittpferden und ihren Besitzern. Auch die Tatsache, dass Andrea Jänisch damals grundsätzlich jedes Pferd, egal welcher Rasse und Reitweise, zur Ausbildung übernahm – vom Isländer über nahezu alle Gangpferderassen (Paso Fino, Ägidienberger, Mangalarga Marchador, Saddler, Missouri Foxtrotter, … sogar ein töltendes Welsh Partbred war dabei, Andalusier, Friesen, Hannoveraner, etc.) hat mich sehr geprägt. Zwei Lehrsätze aus dieser Zeit begleiten mich nach wie vor: „Benutz dein Hirn und lerne dein Pferd „lesen“!“ und „Vermeide Effekthascherei wie der Teufel das Weihwasser!“

Weistrach – Gereon Wimmers Arbeitsplatz

Die noch wichtigeren „Stationen“ waren die Begegnungen mit meinen vierbeinigen Professoren, von denen ich wohl am allermeisten profitieren durfte: Allen voran unser erstes eigenes Pferd Birta, die mich und meine Schwester gelehrt hat, was VERTRAUEN und RESPEKT heißt. Sie war eine absolute Lebensversicherung für uns Kinder, eine Art liebenswerte „Großmutter“, die über den Dingen gestanden ist und wenn´s notwendig war, auch streng sein konnte. Ohne sie wäre die Reiterei sicher nicht zu meinem Beruf geworden. DEMUT und GEDULD hat mir Baugur frá Langholti (das erste Pferd, das ich auch A qualifizieren konnte) beigebracht. Baugur kam in mein Leben, als ich frischgebackener Trainer B war, in meiner „Sturm-und-Drang-Phase“ sozusagen (ja, man mag es kaum glauben, aber ich hatte sowas auch 🙂 ). Baugur war ein unglaublich stolzes, unnahbares und starkes Pferd. Er hatte tolle Gänge, aber immer wieder Probleme mit der Anlehnung, wenn er nicht ordentlich und achtsam vorbereitet wurde.

Frisch von der Prüfung kommend, hab ich mir gedacht, das kann ja jetzt nicht sein, jetzt werde ich ihm mal zeigen, wer der „Herr im Haus“ ist. Kandare ins Maul gepackt und losgeritten. Nachdem er sich auf den ersten 100 Metern 3 (!) Hufeisen heruntergetreten hatte, war der „Herr“ Trainer B doch etwas kleinlaut … deswegen Demut und Geduld 🙂 .

Und so gibt es viele Pferde, die mich begleiteten und von denen ich lernen durfte: Valur, der Hengst meiner Schwester lehrte mich was ELASTIZITÄT und GESCHMEIDIGKEIT bedeuten, Gabriel forderte mein SELBSTVERTRAUEN, Cartujo bestand auf EXAKTHEIT und KONSEQUENZ, Liberty zeigte mir den Umgang mit einer Primadonna, um nur einige zu nennen … Und ich hoffe, es kommen noch viele Lehrmeister und Lehrmeisterinnen dazu!

miia: Was ist dir denn als Reitlehrer am Allerwichtigsten?

Gereon: Um das zu beantworten möchte ich Waldemar Seunig zitieren: „Reiten ist das Zwiegespräch zweier Körper und zweier Seelen, das dahin zielt, den vollkommenen Einklang zwischen ihnen herzustellen.“ Dabei zu helfen, sozusagen der Vermittler zu sein, um diese Verbindung zwischen Pferd und Reiter zu entwickeln, ist mir persönlich das Wichtigste. Wenn es mir gelingt, diesen Draht zwischen allen Beteiligten, und das schließt mich als Reitlehrer mit ein, zu spannen, sind das die allerschönsten Momente, die man als Mensch, nicht nur als Reitlehrer, erleben darf.

miia: Hat es schon mal Zeiten gegeben, in denen du überlegt hast, damit aufzuhören?

Gereon: Nein, das habe ich nicht, aber: Selbstzweifel sind durchaus ein ständiger Begleiter meines Berufslebens: kann man den eigenen Ansprüchen und den Erwartungen seiner Schüler (Pferden und Reitern) dauerhaft gerecht werden und genügen? Bleibt man neugierig und offen genug, um mit den Entwicklungen, die es in der Reiterei gibt, mitzuhalten, sozusagen am Ball zu bleiben? Und als freischaffender Trainer, der keinen eigenen Hof hat, war es anfangs nicht immer ganz einfach. In dem Zusammenhang möchte ich auch Barbara und Hannes Kirchmayr DANKE sagen, die mir als erste die Chance gegeben haben, auf ihrem Hof als Reitlehrer freiberuflich tätig zu sein.

miia: Was möchtest du all jenen sagen, die dich gewählt haben?

Gereon: Wie groß meine Freude war und ist, kann ich ehrlicherweise nicht in Worte fassen … Darum „einfach nur“

DANKE!!!

Ich hoffe, dass ich auch weiterhin all meinen zwei- und vierbeinigen Schülern gerecht werden und eine wirkliche Hilfe und Unterstützung sein kann …Und nachdem man sich bekanntermaßen nicht auf den Lorbeeren ausruhen soll, sehe ich diese Wahl als großen Ansporn!!

miia: Ich möchte dir, Gereon, ganz, ganz herzlich zum ersten Platz gratulieren. Das Vertrauen und den tiefen, von innen kommenden Respekt seiner Schüler muss man sich ehrlich verdienen. Und das hast du offensichtlich in einer großartigen Art und Weise geschafft. Ganz, ganz herzlichen Glückwunsch.

 

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