Náma, Santana und ich

Heute hab ich so etwas Schönes erlebt, dass ich es euch noch schnell erzählen mag, bevor ich mich mit einem Krimi in mein Bett verkrieche. Es ist nur eine ganz kleine Geschichte.

Ich höre richtig gern Musik, manche Musikstücke bewegen mich, andere nerven mich, das ist wohl bei jedem so, denk ich mir. Mit manchen Liedern verbinde ich ganz bestimmte Erlebnisse. Urlaube zum Beispiel. So haben wir beispielsweise die CD von U2 “All that you can`t leave behind” in Norwegen rauf und runter gehört. Wenn mir diese Lieder heute unterkommen, sehe ich quasi die Gletscher und Fjorde vor mir. Den Ostbahnkurti während eines langen Kroatienurlaubs. Wenn ich “Reserviert fia zwa” hör, bin ich am Meer. Mein Mann meint, man nennt das “Ankern”.

Meist halten diese Erinnerungen für immer. Ich bin Liedern, die ich mag, auch sehr treu. Ich kann sie zum Beispiel eine ganze Autofahrt lang von Wien bis zu meinen Pferden hören. Und das ist immerhin eine dreiviertel Stunde! Immer die gleichen. Sehr zum Leidwesen meiner Tochter am Beifahrersitz, deren Ohren nach mehr Abwechslung rufen. Aber da bin ich ein bisschen kompromisslos, geb ich zu, ist sie doch im Besitz von Kopfhörern und kann in ihre eigene Musikwelt abtauchen, im Notfall, mein ich.

Am Pferd bin ich aber eine jener welcher, die auf Musik gerne verzichtet. Ich bin keine Freundin von Kopfhörern im Ohr, wie wohl man das immer wieder sieht, ich muss meine Umgebung einfach hören können, damit ich mich am Pferd sicher fühle.

Heute hab ich zufällig am Weg zu meinen Pferden im Autoradio ein Lied von Santana gehört. Well all Right. Ich hab dieses Lied schon Ewigkeiten nicht mehr gehört, es erinnert mich an wunderschöne Momente von früher. Ich weiß nicht warum – ich hab`s nach der Autofahrt auf meinem Handy bei Spotify gesucht und gefunden. Wollt nur wissen, ob es theoretisch verfügbar wäre.

Nachdem das Töchterchen mit Pferd und Trainerin Richtung Viereck verschwunden ist, hab ich meine Náma zu einem winterlichen Ausritt überredet. Mein Handy hatte ich in der gepolsterten Jackentasche und so bin ich losgeritten.

Wir sind in einen wunderschönen, winterlichen Waldweg eingebogen, Náma und ich. Wer meine Geschichte mit diesem Pferd kennt, weiß, wie lange ich mir solche friedlichen Ausritte gewünscht habe. Nach einem langen Weg bergauf im Schritt hab ich schon gemerkt, dass mein Pferdchen laufen mag. Früher hätte mich das nervös gemacht, zu viele Strecken habe ich mit Náma schon im Pass absolviert, in einem Höllentempo, ohne dies freilich notwendigerweise zu wollen.

Plötzlich hatte ich Lust, dieses Santana Lied zu hören. Náma fürchtet sich zwar vor aufgehängtem Deko-Kukuruz, wie ich seit heute weiß, nicht aber vor leise dudelnder Musik. Ich dachte an Santana in meiner Tasche, drückte auf Play und stopfte das Handy wieder in meine Tasche. Well All Right.

Die Musik war nur ganz leise zu hören, kam sie doch aus den Untiefen meiner dicken Winterjacke. Meine Fantasie schafft es aber irgendwie, jede Musik für mich lauter zu machen.

Das Lied beginnt. Als hätte sie es gewusst, ist meine Náma fröhlich angetrabt. Die ersten Takte des Liedes. Und genau an der Stelle, an der der Sänger zu singen beginnt – ist meine Náma völlig friedlich angaloppiert. Scheinbar dem Rhythmus dieses Liedes folgend. Eine schier unendlich lange Strecke haben wir in einem wunderbaren Galopp zurückgelegt. Nicht zu langsam. Nicht zu schnell. Genau so, wie es mir gefällt. Mein Pferd und ich durch den Winterwald. Santana hatten wir beide im Ohr. Ich war so glücklich in diesem Moment.

Foto Von Nicole Heiling

Scheinbar wurde dieses Lied geschrieben, um mich Zeit meines Lebens an schöne Erlebnisse zu erinnern.

Teilen über: